Indien

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Gin aus Indien

Die Geschichte, dass der heute weltberühmte Longdrink Gin Tonic zu Zeiten des British Empires in Indien entstand, dürfte wohl schon die Runde gemacht haben. Allein deswegen ist Indian Tonic Water jedem Barkeeper ein Begriff. Dabei ist Gin in Indien gar nicht so hoch angesehen, wie man es aufgrund des britischen Einflusses vermuten würde. Am allerliebsten trinken die Inder nämlich Whisky. Auch hierzulande denkt der Ottonormalverbraucher wohl kaum an den südasiatischen Subkontinent, wenn das Thema Gin aufkommt. Neuere Entwicklungen in der globalen Spirituosenszene dürften das allerdings in Zukunft ändern. Die indische Craft Gin-Szene nahm erst vor wenigen Jahren so richtig Fahrt auf. Seitdem sind sowohl die jungen Nachwuchs-Brenner als auch die erfahrenen Brennmeister der grossen Unternehmen nicht zu bremsen. Sie alle wollen mit ihren Gins ein Stück Indien in die Welt hinaus transportieren. Neue Marken werden in einem rasanten Tempo der Öffentlichkeit vorgestellt, sodass es fast schon unausweichlich erscheint, dass India Gin denselben Erfolgszug wie Japanese Whisky hinlegen wird. Image, Marketing und Regionalstolz spielen eine grosse Rolle bei den international vertretenen Gins. Hierbei fällt auf, dass überdurchschnittlich viele Ginmarken im Bundesland Goa ihren Ursprung finden: Die Region zählt zu den beliebtesten touristischen Zielen Indiens und wurde vor allem als Hippie- und Hippster-Paradies berühmt. Ob diese Faktoren bei der Standortwahl der Spirituosenhersteller eine Rolle spielen, ist jedoch fraglich. Fakt ist, dass Indien aufgrund der schieren Landgrösse und der unterschiedlichen Klimazonen eine reiche Vielfalt an Früchten und Gewürzpflanzen aufweist, die in einen indischen Gin einfliessen können. Und das nutzt man selbstverständlich aus! Der Wacholder wird entweder aus dem Inland bezogen - er wächst beispielsweise an den Hängen des Himalaya-Gebirges -, oder aber aus europäischen Ländern bezogen. Auch andere Botanicals werden im Zweifelsfall importiert. Doch das ist bei Ginherstellern ja ganz normal. Zum immer weiter anwachsenden Sortiment indischer Gins gehören der 2018 herausgebrachte Jaisalmer Indian Craft Gin von der Radico Khaitan Ltd., der ebenfalls 2018 lancierte Stranger & Sons Gin von der Third Eye Distillery, der 2020 vorgestellte Terai Gin von der India Craft Spirit Company, der im selben Jahr kreierte Samsara Gin aus dem Spaceman Spirits Lab und der mit Hanf aromatisierte GinGin. Die jungen Männer von Nao Spirits haben sogar schon drei Ginmarken herausgebracht und waren 2017 die ersten, die von der indischen Gin-Renaissance Profit schlugen: Zuerst kreierten sie den Greater Than Gin, dann den Hapusa Himalayan Gin und 2019 den Jin Jiji Gin.
Doch es gibt natürlich auch Gins, die fast ausschliesslich auf dem inländischen Markt zu finden sind. Das berühmteste Beispiel ist der Blue Riband Gin, der schon seit 1959 hergestellt wird und - vor allem dank des zugänglichen Preises - über 60% des nationalen Marktes ausmacht. Der Gin wird in grossen Mengen in einer Brennerei in Goa produziert, die dem Unternehmen United Spirits Ltd. angehört. Die indische Tochtergesellschaft von Diageo gilt als zweitgrösster Spirituosenkonzern weltweit! Wer keinen Blue Riband trinkt, greift meist auf Weltmarken wie Hendrick's, Gordon's und Tanqueray zurück. Ob die neu erschienenen Craft Gins da mithalten können, wird sich erst noch zeigen. Doch viele Hersteller sind sowieso auf das Exportgeschäft fokussiert. Wer hierzulande auf der Sache nach einem authentischen India Gin ist, geniesst zwar eine immer grössere Auswahl, muss aber auch Vorsicht walten lassen. Denn es gibt zahlreiche Gins, die scheinbar etwas mit Indien zu tun haben, aber tatsächlich ganz woanders hergestellt werden, wie z.B. der Goa Gin aus London, der Bombay Gin aus London, der East India Company Gin aus London oder der Jodhpur Gin aus Spanien.

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