Es gibt kaum eine Spirituosenflasche in Deutschland, die einen höheren Wiedererkennungswert hat als diese. Die markante, eisblaue Optik und die Taube auf dem Etikett sind allgegenwärtig. Wodka Gorbatschow ist der unangefochtene Marktführer in seinem Segment. Doch entgegen der landläufigen Meinung stammt dieser Wodka nicht aus Moskau oder St. Petersburg, sondern ist tief in der Geschichte Berlins verwurzelt.
Die Historie beginnt tatsächlich im zaristischen Russland, doch die Marke selbst wurde im Exil geboren. Leo Leontowitsch Gorbatschow war ein Destillateur in St. Petersburg. In den Wirren der Oktoberrevolution 1917 sah er sich gezwungen, seine Heimat zu verlassen. Wie viele seiner Landsleute fand er Zuflucht in Berlin. Im Gepäck trug er kaum Besitz, aber das Wissen um die traditionelle Wodka-Herstellung und das Familienrezept. Im Jahr 1921 erhielt er die Genehmigung, seinen Wodka in Berlin herzustellen. Was zunächst die Exil-Gemeinde versorgte, entwickelte sich rasch zu einer festen Grösse in der Hauptstadt.
Das Markenzeichen, das bis heute jede Flasche ziert, ist kein Zufallsprodukt. Die Taube war das Siegel, das Leontowitsch bereits in Russland für seine Produkte nutzte. Sie symbolisiert Reinheit und Frieden – Werte, die der Gründer nach seiner Flucht in der neuen Heimat bewahren wollte.
Die Marke definiert sich über das Thema Reinheit ("Des Wodkas reine Seele"). Um diese zu gewährleisten, setzt das Haus auf ein spezielles Verfahren: die vierfache Kältefiltration. Hierzu wird der Wodka auf eisige -12 °C heruntergekühlt, sodass sich unerwünschte Fuselöle und Schwebstoffe, die den Charakter beeinträchtigen könnten, binden. Diese werden anschliessend durch feinste Aktivkohlefilter restlos entfernt. Der Prozess wird vierfach durchlaufen, was für die besondere Neutralität und Weichheit des Endprodukts sorgt.
Gorbatschow ist ein klassischer "Western Style" Wodka. Er will nicht durch ein Eigenaroma (wie etwa polnische Kartoffelwodkas) auffallen, sondern durch Abwesenheit von Schärfe. Aufgrund seiner Neutralität ist er der ideale "Leinwand-Wodka" für die Bar. Gemixt verändert er den Charakter eines Cocktails nicht, sondern stärkt ihn lediglich. Perfekt für einen Moscow Mule oder mit Bitter Lemon. Wer ihn pur serviert, sollte dies zwingend eiskalt tun – direkt aus dem Gefrierfach, wo die Viskosität zunimmt und die Milde am besten zur Geltung kommt.
Hinter Wodka Gorbatschow steht ein Stück deutsch-russische Integrationsgeschichte – und der Beweis, dass Berliner Luft und russische Tradition hervorragend harmonieren.
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