Es gibt Spirituosen, die in trendigen Bars zu Hause sind, und solche, die im Élysée-Palast serviert wurden. La Gauloise gehört definitiv zur zweiten Kategorie. Dieser Kräuterlikör war bekanntermassen der absolute Favorit des französischen Präsidenten François Mitterrand, der damit über Jahre hinweg hohe Staatsgäste bewirtete und ihn als nationales Kulturgut betrachtete.
Die Wurzeln dieses "Gallier-Tranks" reichen jedoch viel tiefer als in die V. Republik. Die Legende besagt, dass die Ur-Rezeptur bereits den römischen Legionen bekannt war, die das damalige Gallien besetzten. Faktisch dokumentiert wurde die Wiedergeburt des Likörs im Jahr 1783 durch den Likoristen Edouard Requier, der das vermeintlich antike Wissen in eine feste Formel goss und in einem Buch mit dem Titel "Die Destillation der Pflanzen" festhielt.
Hergestellt wird dieses historische Elixier heute von der Distillerie du Centre in Limoges. Das Unternehmen ist so etwas wie der letzte Mohikaner seiner Art: Es ist die letzte verbliebene traditionelle Brennerei in Limoges, einer Stadt, die im 19. Jahrhundert neben ihrem Porzellan auch für ihre blühende Destillateurs-Szene berühmt war.
Das Geheimnis der Qualität liegt in der Geduld und einem Verfahren, das die industrielle Beschleunigung ignoriert:
- Die Basis: Verwendet werden hochwertige Weine und Alkohol, in denen die Kräuter mazerieren.
- Die Botanicals: Zu den bekannten Zutaten der streng geheimen Mischung gehören Angelika, Safran, Kardamom und Johanniskraut.
- Die Reifung: Nach der Destillation (traditionell über offenem Feuer) ruht der Likör in Fässern aus Limousin-Eiche, um seine Balance zu finden.
Kenner unterscheiden meist zwei Varianten:
- La Gauloise Jaune (Gelb): Mit 40 % Vol. die mildere, etwas süssere Variante, bei der die Safran-Noten und die feine Würze dominieren.
- La Gauloise Verte (Grün): Mit kräftigen 48 % Vol. deutlich pfeffriger, intensiver und kräuterbetonter – oft als Digestif bevorzugt.
La Gauloise ist somit weniger ein Party-Getränk, sondern ein flüssiges Denkmal französischer Handwerkskunst, das bis heute Medaillen auf Weltausstellungen sammelt (schon 1889 und 1900 in Paris ausgezeichnet).
Ihr Webbrowser ist nicht mehr aktuell. Aktualisieren Sie Ihren Browser für mehr Sicherheit, Geschwindigkeit und die beste Erfahrung auf dieser Website.
Aktualisieren Sie Ihren Browser