Um die Seele von Shinobu zu verstehen, muss man zunächst den Mann verstehen, der sie erschaffen hat: Ken Usami. Er ist kein klassischer Erbe einer Whisky-Dynastie, sondern ein Visionär und Pionier, der das Handwerk von der Pike auf als Brauer lernte. Seine Geschichte ist der Beweis dafür, dass der Weg zur Perfektion oft über Umwege führt – oder wie die Japaner sagen: über Geduld.
Lange bevor der erste Tropfen Whisky floss, schrieb Usami Geschichte in der Brau-Welt. Im Jahr 1997 gründete er die Niigata Beer Co. in einer Zeit, als Craft Beer in Japan noch ein Fremdwort war. Er war ein Innovator durch und durch; so war er der erste japanische Brauer, der die Methode der sekundären Flaschengärung und Reifung (ähnlich wie beim Champagner) in Japan anwandte. Doch sein Traum reichte weiter als bis zum Bierglas. Als passionierter Spirituosen-Liebhaber trieb ihn die Vision um, die Reinheit seiner Heimatregion Niigata in einem Whisky einzufangen. Im Jahr 2017 war es schliesslich soweit: Er erhielt als Erster in Niigata die Lizenz zur Whisky-Herstellung.
Die Wahl des Standortes ist kein Zufall. Die Präfektur Niigata an der Westküste Japans ist berühmt für ihre "drei weissen Schätze": Schnee, Reis und Sake. Im Winter versinken die Berge unter gewaltigen Schneemassen. Wenn dieser Schnee im Frühling schmilzt, speist er die Flüsse mit einem Wasser von unglaublicher Weichheit und Reinheit. Genau dieses Schmelzwasser ist das Lebenselixier der Shinobu Distillery. Es dient nicht nur der Reduktion des Alkohols, sondern bildet die spirituelle Verbindung zur Natur der Region.
Der Name der Brennerei ist Programm. "Shinobu" bedeutet auf Japanisch so viel wie "Geduld", "Ausdauer" oder "Nachsicht". Es ist ein Begriff, der tief im Bushido, dem Ehrenkodex der Samurai, verwurzelt ist. Er symbolisiert die Überzeugung, dass wahre Grösse Zeit benötigt. Diese Philosophie prägt die aktuelle Produktion: Während die eigenen Destillate (die seit etwa 2018 produziert werden) in den Lagern noch ihrer Vollendung entgegenruhen, beweist Usami seine Meisterschaft in der Kunst der Assemblage. Er wählt weltweit hochwertige Whiskys aus ("World Blended Whisky") und veredelt sie in Japan. Es ist die Kunst des "Finishing", die hier zelebriert wird.
Ken Usamis Obsession gilt dem Holz. Da er weiss, dass sein Destillat Zeit braucht, nutzt er diese Zeit für ein aussergewöhnliches Fass-Management. Er setzt fast ausschliesslich auf die seltene japanische Mizunara-Eiche. Diese Baumart ist notorisch schwierig zu verarbeiten; sie wächst krumm, ist porös und neigt zum Auslaufen. Doch das aromatische Profil, das sie abgibt, ist mit nichts zu vergleichen. Usami hat die Reifung in diesen Fässern perfektioniert, um jene mystischen Noten von Sandelholz und Weihrauch (Kara) zu erzeugen, die Shinobu heute weltweit einzigartig machen.
Doch der Pioniergeist ruht nicht. Ken Usami arbeitet bereits am nächsten Kapitel: In der Stadt Aga plant und baut er eine Destillerie, die vollständig mit Geothermie betrieben wird. Es wäre eine der ersten Whisky-Brennereien der Welt, die die vulkanische Hitze Japans nutzt, um nachhaltig zu produzieren.
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